Niedersayn.JPG

ortsgemeinde niedersayn


Wappen niedersayn


Beschlussfassung des vorliegenden Wappens erfolgte in der Sitzung des Ortsgemeinderates vom 20.06.1995.

Entwurf und Gesamtherstellung: Markus Müller, Nister

Blasonierung:

"In Blau eine linke silberne Flanke. Über zwei sllbern-rot verwechselten Wellenleisten vorn ein silbernes Mühlrad, hinten eine rote Glocke."


Wappen der Ortsgemeinde Niedersayn



Wappenerläuterung

Die Dörfer und Siedlungen zwischen Obersayn und Niedersayn kommen in der urkundlichen Überlieferung zunächst unter dem Namen Langensain - 1277 Langenseine, 1618 auf der Langensayen - vor. Eine Wüstung (= verlassene Siedlungsstelle) Langensayn befindet sich im Gebiet der Gemarkungen Kuhnhöfen und Niedersayn. Im Nekrolog der Zisterzienserabtei Marienstatt erscheint noch im 15. Jahrhundert ein Hepell Kedel van der Langenseyn, der dem Kloster einen Gulden übereignete. Man darf vermuten, dass die nachgenannten Wohltäter Hentze Kedell, samt Ehefrau, Knaben und Mutter, Godert Griiffe mit seiner Frau und Knaben sowie Pusenheyl ebenfalls von Langensayn kamen.

Deutlich abgegrenzt von jener hochmittelalterlichen Niederlassung erscheint Niedersayn erstmalig 1490 - Niedernseynne. Der Name Langensayn wurde später zugunsten der kleinen und jüngeren Siedlungen aufgegeben.

Zweifellos verdankt die Gemeinde ihren Namen der Lage am Kleinen Saynbach. Im Gegensatz zu Obersayn, in dessen Gemarkung das Flüsschen entspringt, befindet sich Niedersayn schon einige Kilometer bachabwärts, worauf die Unterscheidung zwischen den beiden Orten mit gleichem Appellativum zurückzuführen ist. Die Differenzierung durch Ober-, Mittel-, Nieder- u. ä. stellen onymische Komposita mit appellativischen Elementen dar. Die Toponymika wurden hier durch Adjektive differenziert.

Das Dorf Niedersayn (mit Karnhöfen und Blaumhöfen) ist eingebettet in das Tal, das der Volksmund als die Kripp bezeichnet und welches zudem die Orte Niederarnshöfen, Etzelbach, Kuhnhöfen und das Helferskirchener Niederdorf umfasst. In der Gemarkung entwickelten sich Blaumhöfen und Karnhöfen aus ursprünglichen Einzelhöfen zu kleinen Dörfern. Die namengebenden Familien sind in den überlieferten Bezeichnungsformen erkennbar:

  • 1525 Blomen Johans hus, 1563 Plumenhoeff, folglich Blaumen hof. Die Familie Blaum lebt noch heute in Ort und Kirchspiel.
  • 1550 Kerns Gut, 1566 Karren Gangolfs Erben uf der langer Sein, 1589 Carnhob. Jene namengebende Familie ist bereits mit Söhnen und Stiefsöhnen des Karrin von der Langensayn 1362 und mit Karren Gangolff 1525 im Heimgereide Sainerholz zu fassen.

Der Flussname Sayn, von dem sich auch der Ortsname ableitet, weist auf vordeutsche Herkunft. Er stellt ein Suffix auf -na, wie es für alteuropäische Gewässernamen bezeichnend ist, dar. BAHLOW führt Sayn auf seg, sek, in der Bedeutung von "Sumpf-, Schmutzwasser", zurück.

GENSICKE rechnet die im Umfeld von Niedersayn häufiger anzutreffenden -hafen/-höfen-Siedlungen teilweise in die Zeit vor 1100 und führt ihre Entstehung auf die Initiative eines örtlichen Grundherren zurück. Sie besetzten in der Regel waldfreie Plätze und stellen meist Einzelhöfe und Weilersiedlungen dar.

Die Wellenleisten tragen der Lage am namensgebenden kleinen Saynbach Rechnung. Im Bezirk des Kirchspiels Meudt wurde 1730 die Pfarrei Weidenhahn gebildet, deren Patronat dem Pfarrer zu Meudt jedoch erhalten blieb. Im Jahre 1700 entstand im Ort Karnhöfen eine Kapelle, die der Heiligen Apollonia - Attribute Zange und Zahn - geweiht wurde. Als die Pfarrkirche zu Weidenhahn Anfang Dezember 1842 wegen Baufälligkeit geschlossen werden musste, stand im gesamten Kirchspiel nur das etwa 50 Personen fassende Gotteshaus in Karnhöfen zur Verfügung. 1870 ließ Pfarrer Fluck das größere Glöckchen für die Kapelle gießen. 1949 erwies es sich als notwendig, die sehr schadhafte Kapelle zum großen Teil abzureißen und neu zu errichten. Dabei konnte auch eine angestrebte Vergrößerung vollzogen werden. Eine Heilige Messe zelebrierte der Pfarrer von Weidenhahn dort an jedem ersten Dienstag seit Juni 1958.

Die rote Glocke verweist auf das Gotteshaus im Ortsteil Karnhöfen.

Ursprünglich gehörte Niedersayn im Kirchspiel Meudt zur Grafschaft Diez. Das Territorium fiel nach dem Aussterben des Grafenhauses 1386/1388 an Graf Adolf von Nassau-Dillenburg, dem Gatten der Diezer Erbtochter.

Die Grafschaft Diez kannte bereits eine Einteilung in Heimgereide. Die Zeche Niedersayn mit Sainerholz 1490 umschloss 1525 als Heimgereide Saynerholz die gleichen Orte. Zur Zeche gehörten 1684 auch Karnhöfen und Blaumhöfen, die 1786 mit Niedersayn eine Gemeinde bildeten. Als Heimberger zu Sainerholz-Niedersayn fungierten: Johannes Arndt 1653 - 1654, Christ Plaum 1690er Jahre - 1715, Johannes Best Plaum 1717 - gest. 1723, Zilges Plaum
1723 - 1739, Cornelius Plaum 1740 - 1756, Adam Schönberger (1758/59 Anton) 1757 - 1776, Johannes Schönberger 1777 - 1792, Peter Hertz 1807.

Nachdem auch Graf Adolf von Nassau-Dillenburg ohne Erben verstarb, besaßen mehrer Herren die Grafschaft als Lehen des Erzbistums Trier:

  • 1/2 Grafen von Nassau-Dillenburg, wovon 1454 bis 1481 die Hälfte an die Grafen von Thierstein und 1477 vorübergehend der Rest an die Grafen von Katzenelnbogen verpfändet wurde. Letztere hatten ohnehin 1391 bis 1470 Pfandrechte an den Westerwälder Kirchspielen der Grafschaft gehabt.
  • 1/2 Herren von Eppstein, die die Hälfte 1453 an Katzenelnbogen verkauften. Über die Grafen von Katzenelnbogen gelangte jener Teil 1479 an die Landgrafschaft Hessen. 1453 hatte Eppstein ein Achtel seines Anteils 1453 an Kurtrier verpfändet. Das andere Achtel, welches 1522 an die Grafen von Königstein fiel, wurde von diesen 1530 an Nassau-Dillenburg verkauft. Kurtrier, das als Lehnsherr jenem Kauf seine Zustimmung verweigert hatte, zog nach deren Erlöschen 1535 dieses Teil als erledigtes Lehen ein. Nachdem 1557 das hessische Viertel für Ansprüche an das katzenelnbogensche Erbe an Nassau-Dillenburg gekommen war, war dieses zu drei, Kurtrier zu einem Viertel an der gemeinsamen Herrschaft der Grafschaft beteiligt.


Der Diezer Vertrag vom 27. Juli 1564 wies die vier Kirchspiele Hundsangen, Meudt, Nentershausen und Salz mit den entsprechenden Dörfern schließlich dem Erzbistum Trier zu. Die Gemeinden dieses Bereichs blieben von 1564 bis 1803 dem Amt Montabaur unterstellt. 1786 gab es in den Orten Weidenhahn, Düringen, Ewighausen, Niedersayn, Kuhnhöfen, Arnshöfen und Haindorf je einen Bürgermeister, der jährlich wechselte und die Geschäfte eines Rechners und Baumeisters der Gemeinde besorgte. Unter nassauischer Hoheit bildeten die Orte der Kirchspiele mit dem Dorf Molsberg das Amt Meudt, dem 1816 ebenfalls Weltersburg zugewiesen wurde. Als Amtssitz fungierte seit 1831 Wallmenrod und nicht mehr Montabaur. Schultheißen zu Niedersayn waren 1818 Johann Fillberg, 1819 bis 1835 Johann Wagner und 1836 bis 1847 Ickenroth.

Das Herzogtum Nassau vereinigte man als Ergebnis des Deutschen Krieges 1866 mit Kurhessen als preußischer Regierungsbezirk Wiesbaden zu einer Provinz Hessen-Nassau. 1867 wurde Niedersayn Bestandteil des neugebildeten Unterwesterwaldkreises. 1885 - bei Auflösung der nassauischen Ämterverfassung - zählte die Kommune zum Kreis Westerburg.

Im Zuge von Sparmaßnahmen verordnete die Preußische Staatsregierung am 1. August 1932 die Zusammenlegung der bisherigen Kreise Marienberg und Westerburg zu einem neuen Oberwesterwaldkreis. Noch einmal 1944 wurde aus dem Regierungsbezirk Wiesbaden eine neue Provinz Nassau herausgelöst, die allerdings nach der deutschen Kapitulation von den Besatzungsmächten aufgeteilt wurde. Zusammen mit vier nassauischen Kreisen gelangte auch Niedersayn zur französischen Besatzungszone, 1947 als Bestandteil des neuen Landes Rheinland-Pfalz.

Von den Dörfern im Kirchspiel Weidenhahn schloss sich als erstes Niedersayn auf freiwilliger Basis einer Verbandsgemeinde an. Es gehört seit dem 2. Februar 1971 zum Unterwesterwaldkreis und seit dem 24. März 1971 zur Verbandsgemeinde Wirges. Mit dem 16. März 1974 wurden die beiden Kreise Ober- und Unterwesterwald zum neues Westerwaldkreis zusammengefasst.

Die im Wappen verwendeten Tinkturen sind landesgeschichtlich begründet. Silber und Rot waren die Farben des Erzbistums Trier, Rot zudem die Wappenfarbe der Grafen von Diez. Blau verweist auf die zeitweilige Zugehörigkeit zu Nassau.

Für die Wirtschaftsgeschichte der Gemeinde erwies sich das Mühlengewerbe seit dem 16. Jahrhundert von herausragender Bedeutung. Bereits 1525 und 1564 wurden in Niedersayn drei Mühlen betrieben, 1566 genannt als Plaumen Jakobsmühl, Schluppesmühl und Stollenmühl. Letztere befand sich 1601 im Besitz des Kuno von Reifenberg. Sie lag nach dem Dreißigjährigen Krieg 1648 wüst; ein Neubau war 1718 geplant, gelangte jedoch nicht zur Ausführung. Im Jahre 1696 erhielt die Schluppesmühle, auch Schlipgesmühle 1566, später Christmühle, einen Mahlgang zur Ölmühle. Daneben bestand 1786 die Plaumen-Michelsmühl - als Nachfolgerin der o. g. Plaumen Jacobsmühle 1566. Schon in der Gemarkung Ewighausen befand sich die Nollen- oder Nollenroder Michelsmühl 1718, welche später Feinsmühle heißt. Jünger sind ebenfalls die unterste Mahlmühle auf der Saynerbach 1786 sowie die Haasenmühle oberhalb der Christmühle, welche seit 1718 begegnet. In den Jahren 1912 und 1916 wurden in der Gemeinde Niedersayn noch fünf Mühlen betrieben.

1920 wie 1926 existierten drei Getreidemahlmühlen in Niedersayn, deren Betreiber 1. die Gebr. Kurtenacker, 2. Mathias Müller, 3. Peter Wolf und Peter Sturm waren. Es ist sehr fraglich, ob 1927, wie in der Literatur zu finden war, tatsächlich in der Gemarkung nun vier Mühlen arbeiteten. Während 1931 weiterhin die Brüder Peter und Adam Kurtenacker als Besitzer des ersten Mühlenbetriebs, ebenso wie Mathias Müller für seine Getreidemühle eingetragen sind, erscheint die Karnhöfer Mühle unter dem Eigentümer Peter Wolf, während Landwirt Peter Sturm aber ebenfalls noch dort wohnte.

Das silberne Mühlrad schließlich erinnert an die hohe wirtschaftshistorische Bedeutung des Mühlengewerbes in der Gemarkung.


Fundstellen:
1:
GENSICKE, HELLMUTH Zur nassauischen Ortsgeschichte: Die vier Kirchspiele, in: Nassauische Annalen 63, hg. Verein für Nassauische Altertumskunde und Geschichtsforschung. Wiesbaden 1452, S. 321 und

GENSICKE HELLMUTH: Die Geschichte der Dörfer des Kirchspiels, ergänzt von GERHARD WISSER in: 100 Jahre Pfarrkirche Weidenhahn - 240 Jahre Pfarrei Weidenhahn. Festschrift zur Feier vom 26. bis 28. Juni 1971, hg. Pfarrgemeinde Weidenhahn. Weidenhahn 1971, S. 77 [Im folgenden der Einfachheit halber als GENSICKE 1971 zitiert].
2:
METZLER WERNER: Die Ortsnamen des nassauischen Westerwaldes. Sprachwissenschaftliche Untersuchungen. Marburg 1966 (= Marburger Beiträge zur Germanistik, hg. JOSEF KUNZ und LUDWIG ERICH SCHMITT Bd. 15), S. 147
3:
GENSICKE HELLMUTH Landesgeschichte des Westerwaldes. Wiesbaden 2. erg. Nachdruck 1987 (= Veröffentlichungen der Historischen Kommission für Nassau, 13), S. 457.
4:
STRUCK WOLF HEINO Das Cistercienserkloster Marienstatt im Mittelalter. Urkundenregesten, Güterverzeichnisse und Nekrolog. Wiesbaden 1965 (= Veröffentlichungen der Historischen Kommission für Nassau, XVIII), S. 619, Nr. 1410/XIV.

5:
Samtarchiv Marburg, Nachtrag 22, 52.

6:
GENSICKE 1952, S. 321 und METZLER 1966, S. 147.

7:
MÜLLER MARKUS: Die Wortbildung der deutschen Ortsnamen am Beispiel der Ortsnamen in der Verbandsgemeinde Hachenburg (unveröffentl. Manuskript 1994), S. 11.

8:
HUCKE, HERMANN-JOSEF: An Kleiner und Großer Sayn. Unterwegs in einer stillen westerwälder Landschaft, in: Wäller Heimat 1991, Jahrbuch des Westerwaldkreises, hg. Kreisverwaltung des Westerwaldkreises. Montabaur 1990, S. 119, 124.

9:
GENSICKE 1952, S. 321.

10:
METZLER 1966, S. 131.

11:
GENSICKE 1971, S. 77.

12:
GENSICKE 1987, S. 8.

13:
METZLER 1966, S. 38,153.

14:
BAHLOW HANS Deutschlands geographische Namenswelt. Etymologisches Lexikon der Fluss und Ortsnamen alteuropäischer Herkunft. Frankfurt/Main 1985, S. 413.

15:
GENSICKE 1987, S. 13.

16:
GENSICKE 1952, S. 320. S. a. WISSER, GERHARD Die Pfarrei Weidenhahn in Vergangenheit und Gegenwart, in: 100 Jahre Pfarrkirche Weidenhahn - 240 Jahre Pfarrei Weidenhahn. Festschrift zur Feier vom 26. bis 28. Juni 2971, hg. Pfarrgemeinde Weidenhalm. Weidenhalm 1971, S. 23 f.

17:
WISSER 1971, S. 37.

18:
WISSER 1971 S. 67.

19:
GENSICKE 1952, S. 309

20:
WISSER 1971, S. 73.

21:
GENSICKE 1987, S. 457, 503.

22:
WISSER 1971, S. 75.

23:
GENSICKE 1971, S. 75.

24:
GENSICKE, HELLMUTH: Vom Mittelalter zur Neuzeit, in: Hachenburg im Westerwald in Geschichte und Gegenwart, hg. Stadtverwaltung Hachenburg. Hachenburg 1985, S. 31.

25:
GENSICKE 1952, S. 309 f. sowie GENSICKE 1971, S. 69 ff.

26:
Westerwälder Zeitung Nr. 198, 25. 8. 1932.

27:
GENSICKE 1971, S. 78 f.

28:
KLEIN, THOMAS Vom "Land der armen Leute" zum Kreis mit Perspektiven. Festvortrag anlässlich des 125-jährigen Bestehens der Kreisverfassung, m: Wäller Heimat 1494, Jahrbuch des Westerwaldkreises, hg. Kreisverwaltung des Westerwaldkreises. Montabaur 1993, S. 112.

29:
Hessisches Ortswappenbuch. Doppel-Band 1 und 2, bearb. KARL E. DEMANDT und OTTO RENKHOFF hg. HERMANN KNODT. Glücksburg/Ostsee 1956, S. 164, Nr. 618, S. 178, Nr. 676, S. 163, Nr. 608.

30:
Westerwald-Adressbuch. Führer mit Branchen- und Telefon-Verzeichnis für Ober- und Unterwesterwaldkreis und den Kreis Westerburg sowie für die Stadt Altenkirchen und die Bürgermeistereien Dierdorf und Puderbach, hg. CARL EBNER. Marienberg 1920, S. 367 sowie Einwohnerbuch für den Westerwald. Ober- und Unterwesterwaldkreis, Kreis Westerburg und die Bürgermeisterei Altenkirchen. Ausgabe 1926, hg. CARL EBNER. Hachenburg 1926, S. 232.

33:
GENSICKE 1971, S. 86.

34:
Einwohnerbuch für den Westerwald. Ober- und Unterwesterwaldkreis, Kreis Westerburg, Amt Altenkirchen. Ausgabe 1931, hg. CARL EBxEP,. Hachenburg 1931, S. 329.


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