Geschichte Niedersayn

Die Geschichte der Gemeinde Niedersayn /
Westerwaldkreis



Eine kleine historische Handreichung der Ortsgeschichte anlässlich der Vorstellung der Entwürfe des Gemeindewappens.


Wappen der Ortsgemeinde Niedersayn

Ersterwähnung


Die Dörfer und Siedlungen zwischen Obersayn und Niedersayn kommen in der urkundlichen Überlieferung zunächst unter dem Namen Langensain – 1277 Langenseine, 1618 auf der Langensayen – vor. Eine Wüstung (= verlassene Siedlungsstelle) Langensayn befindet sich im Gebiet der Gemarkungen Kuhnhöfen und Niedersayn. Im Nekrolog der Zisterzienserabtei Marienstatt erscheint noch im 15. Jahrhundert ein Heppel Kedel van der Langenseyn, der dem Kloster einen Gulden übereignete. Man darf vermuten, dass die nachgenannten Wohltäter Hentze Kedell, samt Ehefrau, Knaben und Mutter, Godert Griiffe mit seiner Frau und Knaben sowie Pusenheyl ebenfalls von Langensayn kamen.

Deutlich abgegrenzt von jener hochmittelalterlichen Niederlassung erscheint Niedersayn erstmalig 1490 – Niedernseynne. Der Name Langensayn wurde später zugunsten der kleinen und jüngeren Siedlungen aufgegeben.


Onomastik / Siedlungsgeschichte


Zweifellos verdankt die Gemeinde ihren Namen der Lage am Kleinen Saynbach. Im Gegensatz zu Obersayn, in dessen Gemarkung das Flüsschen entspringt, befindet sich Niedersayn schon einige Kilometer bachabwärts, worauf die Unterscheidung zwischen den beiden Orten mit gleichem Appellativum zurückzuführen ist. Die Differenzierung durch Ober-, Mittel-, Nieder- u. ä. stellen onymische Komposita mit appelativischen Elementen dar. Die Toponymika wurden hier durch Adjektive differenziert.

Das Dorf Niedersayn (mit Karnhöfen und Blaumhöfen) ist eingebettet in das Tal, das der Volksmund als die Kripp bezeichnet und welches zudem die Orte Niederarnshöfen, Etzelbach, Kuhnhöfen und das Helferskirchener Niederdorf umfasst. In der Gemarkung entwickelten sich Blaumhöfen und Karnhöfen aus ursprünglichen Einzelhöfen zu kleinen Dörfern. Die namengebenden Familien sind in den überlieferten Bezeichnungsformen erkennbar:

  • 1525 Blomen Johans hus, 1563 Plumenhoeff, folglich Blaumen hof. Die Familie Blaum lebt noch heute in Ort und Kirchspiel.
  • 1550 Kerns Gut, 1566 Karren Gangolffs Erben uf der langer Sein, 1589 Carnhob. Jene namengebende Familie ist bereits mit Söhnen und Stiefsöhnen des Karrin von der Langensayn 1362 und mit Karren Gangolff 1525 im Heimgereide Sainerholz zu fassen.

Der Flussname Sayn, von dem sich auch der Ortsname ableitet, weist auf vordeutsche Herkunft. Er stellt ein Suffix auf –na, wie es für alteuropäische Gewässernamen bezeichnend ist, dar. BAHLOW führt Sayn auf seg, sek, in der Bedeutung von "Sumpf-, Schmutzwasser", zurück.

GENSICKE rechnet die im Umfeld von Niedersayn häufiger anzutreffenden –hofen/ -höfen- Siedlungen teilweise in die Zeit vor 1100 und führt ihre Entstehung auf die Initiative eines örtlichen Grundherren zurück. Sie besetzten in der Regel waldfreie Plätze und stellen meist Einzelhöfe und Weilersiedlungen dar.

 

 

Gemarkung

In ihren historischen Ausmaßen umfasste die Gemarkung Niedersayn 1828 eine Fläche von 965 Morgen, davon 363 Ackerland, 197 Wiesen, 361 Wald.

 

Grundherrliche Verhältnisse

In Niedersayn hatten 1564 die von Brambach einen Hof. Das Stift Limburg besaß den Zehnten, daneben waren 1786 und 1828 die Grafen von Walderdorf, die von Esch und die Pfarrei Weidenhahn an dieser Einkunft beteiligt. 1733 und 1786 zogen die Pastorei Meudt, die Kirche Weidenhahn, Pastorei, Präsenz und Frühmesse zu Montabaur, 1786 die Kellerei Dehrn, die Kirchen zu Helferskirchen und Schönberg, die von Esch, das Almosen zu Montabaur sowie schließlich die Grafen von Walderdorf Gefälle ein. Vor 1828 war ein Anteil am Zehnten an die Erben des Johann Schönberger gekommen.

Der Philippshof in Langenseyn wechselte 1482 an die von Heuchelheim und von Hattert. Hier befanden sich auch Güter der von Reifenberg zu Weltersburg 1618. Das Stift Limburg konnte 1394 den Zehnten einziehen, von dem 1487 die Breder von Hohenstein Anteil zu Lehen trugen. Die von Irmtraut wandten 1392 ihren Anteil der ewigen Messe zu Westerburg zu. Der Magdalenenaltar zu Montabaur hatte 1383 hier Gefälle. Eigenleute erhielt 1277 das Kloster Sayn von den von Wilnsdorf.

 

Kirche

Im Bezirk des Kirchspiels Meudt wurde 1730 die Pfarrei Weidenhahn gebildet, deren Patronat dem Pfarrer zu Meudt jedoch erhalten blieb. Im Jahre 1700 entstand im Ort Karnhöfen eine Kapelle, die der Heiligen Apollonia – Attribute Zange und Zahn – geweiht wurde. Als die Pfarrkirche zu Weidenhahn Anfang Dezember 1842 wegen Baufälligkeit geschlossen werden musste, stand im gesamten Kirchspiel nur das etwa 50 Personen fassende Gotteshaus in Karnhöfen zur Verfügung. 1870 ließ Pfarrer Fluck das größere Glöckchen für die Kapelle gießen. 1949 erwies es sich als notwendig, die sehr schadhafte Kapelle zum großen Teil abzureißen und neu zu errichten. Dabei konnte auch eine angestrebte Vergrößerung vollzogen werden. Eine Heilige Messe zelebrierte der Pfarrer von Weidenhahn dort an jedem ersten Dienstag seit Juni 1958.


Territorialgeschichte

Ursprünglich gehörte Niedersayn im Kirchspiel Meudt zur Grafschaft Diez. Das Territorium fiel nach dem Aussterben des Grafenhauses 1386/1388 an Graf Adolf von Nassau-Dillenburg, dem Gatten der Diezer Erbtochter.

Die Grafschaft Diez kannte bereits eine Einteilung in Heimgereide. Die Zeche Niedersayn mit Sainerholz 1490 umschloss 1525 als Heimgereide Saynerholz die gleichen Orte. Zur Zeche gehörten 1684 auch Karnhöfen und Blaumhöfen, die 1786 mit Niedersayn eine Gemeinde bildeten. Als Heimberger zu Sainerholz-Niedersayn fungierten: Johannes Arndt 1653 – 1654, Christ Plaum 1690er Jahre – 1715, Johannes Best Plaum 1717 – gest. 1723, Zilges Plaum 1723 – 1739, Cornelius Plaum 1740 – 1756, Adam Schönberger (1758/59 Anton) 1757 – 1776, Johannes Schönberger 1777 – 1792, Peter Hertz 1807.

Nachdem auch Graf Adolf von Nassau-Dillenburg ohne Erben verstarb, besaßen mehrer Herren die Grafschaft als Lehen des Erzbistums Trier:

    • ½ Grafen von Nassau-Dillenburg, wovon 1454 bis 1481 die Hälfte an die Grafen von Thierstein und 1477 vorübergehend der Rest an die Grafen von Katzenelnbogen verpfändet wurde. Letztere hatten ohnehin 1391 bis 1470 Pfandrechte an den Westerwälder Kirchspielen der Grafschaft gehabt. 
    • ½ Herren von Eppstein, die die Hälfte 1453 an Katzenelnbogen verkauften. Über die Grafen von Katzenelnbogen gelangte jener Teil 1479 an die Landgrafschaft Hessen. 1453 hatte Eppstein ein Achtel seines Anteils 1453 an Kurtrier verpfändet. Das andere Achtel, welches 1522 an die Grafen von Königstein fiel, wurde von diesen 1530 an Nassau-Dillenburg verkauft. Kurtrier, das als Lehnsherr jenem Kauf seine Zustimmung verweigert hatte, zog nach deren Erlöschen 1535 dieses Teil als erledigtes Lehen ein. Nachdem 1557 das hessische Viertel für Ansprüche an das katzenelnbogensche Erbe an Nassau-Dillenburg gekommen war, war dieses zu drei, Kurtrier zu einem Viertel an der gemeinsamen Herrschaft der Grafschaft beteiligt.

    Der Diezer Vertrag vom 27. Juli 1564 wies die vier Kirchspiele Hundsangen, Meudt, Nentershausen und Salz mit den entsprechenden Dörfern schließlich dem Erzbistum Trier zu. Die Gemeinden dieses Bereichs blieben von 1564 bis 1803 dem Amt Montabaur unterstellt. 1786 gab es in den Orten Weidenhahn, Düringen, Ewighausen, Niedersayn, Kuhnhöfen, Arnshöfen und Haindorf je einen Bürgermeister, der jährlich wechselte und die Geschäfte eines Rechners und Baumeisters der Gemeinde besorgte. Unter nassauischer Hoheit bildeten die Orte der Kirchspiele mit dem Dorf Molsberg das Amt Meudt, dem 1816 ebenfalls Weltersburg zugewiesen wurde. Als Amtssitz fungierte seit 1831 Wallmerod und nicht mehr Montabaur. Schultheißen zu Niedersayn waren 1818 Johann Fillberg, 1819 bis 1835 Johann Wagner und 1836 bis 1847 Ickenroth.

    Das Herzogtum Nassau vereinigte man als Ergebnis des Deutschen Krieges 1866 mit Kurhessen als preußischer Regierungsbezirk Wiesbaden zu einer Provinz Hessen-Nassau. 1867 wurde Niedersayn Bestandteil des neugebildeten Unterwesterwaldkreises. 1885 – bei Auflösung der nassauischen Ämterverfassung – zählte die Kommune zum Kreis Westerburg.

    Im Zuge von Sparmaßnahmen verordnete die Preußische Staatsregierung am 1. August 1932 die Zusammenlegung der bisherigen Kreise Marienberg und Westerburg zu einem neuen Oberwesterwaldkreis. Noch einmal 1944 wurde aus dem Regierungsbezirk Wiesbaden eine neue Provinz Nassau herausgelöst, die allerdings nach der deutschen Kapitulation von den Besatzungsmächten aufgeteilt wurde. Zusammen mit vier nassauischen Kreisen gelangte auch Niedersayn zur französischen Besatzungszone, 1947 als Bestandteil des neuen Landes Rheinland-Pfalz.

    Von den Dörfern im Kirchspiel Weidenhahn schloss sich als erstes Niedersayn auf freiwilliger Basis einer Verbandsgemeinde an. Es gehört seit dem 2. Februar 1971 zum Unterwesterwaldkreis und seit dem 24. März 1971 zur Verbandsgemeinde Wirges. Mit dem 16. März 1974 wurden die beiden Kreise Ober- und Unterwesterwald zum neuem Westerwaldkreis zusammengefasst.

     

    Mühlen

    Für die Wirtschaftsgeschichte der Gemeinde erwies sich das Mühlengewerbe seit dem 16. Jahrhundert von herausragender Bedeutung. Bereits 1525 und 1564 wurden in Niedersayn drei Mühlen betrieben, 1566 genannt als Plaumen Jakobsmühl, Schluppesmühl und Stollenmühl. Letztere befand sich 1601 im Besitz des Kuno von Reifenberg. Sie lag nach dem Dreißigjährigen Krieg 1648 wüst; ein Neubau war 1718 geplant, gelangte jedoch nicht zur Ausführung. Im Jahre 1696 erhielt die Schluppesmühle, auch Schlipgesmühle 1566, später Christmühle, einen Mahlgang zur Ölmühle. Daneben bestand 1786 die Plaumen-Michelsmühl – als Nachfolgerin der o. g. Plaumen Jokobsmühle 1566. Schon in der Gemarkung Ewighausen befand sich die Nollen- oder Nollenroder Michelsmühl 1718, welche später Feinsmühle heißt. Jünger sind ebenfalls die unterste Mahlmühle auf der Saynerbach 1786 sowie die Haasenmühle oberhalb der Christmühle, welche seit 1718 begegnet. In den Jahren 1912 und 1916 wurden in der Gemeinde Niedersayn noch fünf Mühlen betrieben.

    1920 wie 1926 existierten drei Getreidemahlmühlen in Niedersayn, deren Betreiber 1. die Gebr. Kurtenacker, 2. Mathias Müller, 3. Peter Wolf und Peter Sturm waren. Es ist sehr fraglich, ob 1927, wie in der Literatur zu finden war, tatsächlich in der Gemarkung nun vier Mühlen arbeiteten. Während 1931 weiterhin die Brüder Peter und Adam Kurtenacker als Besitzer des ersten Mühlenbetriebs, ebenso wie Mathias Müller für seine Getreidemühle eingetragen sind, erscheint die Karnhöfer Mühle unter dem Eigentümer Peter Wolf, während Landwirt Peter Sturm aber ebenfalls noch dort wohnte.

     

    Sonstige Gewerbe

    Nach der Amtsbeschreibung von 1786 bildeten Ackerbau und Viehzucht – wie für den gesamten Westerwald typisch – die Grundlage des Erwerbslebens. In Niedersayn wurde gleichsam ein wenig Leinentuch verkauft. Um 1825 betrieb bzw. ließ ein Einwohner einen ziemlichen bedeutenden Handel in den Niederlanden bis in den Winter hinein betreiben. Ca.1828 gab es einen Krämer, drei Schneider, drei Maurer sowie zwei Musikanten im Ort.

    Neben den schon erwähnten Mühlen werden in der Gemeinde im Jahre 1920 als Gewerbetreibende der Schankwirt Johann Müller IV, Schuhmacher Johann Adam Munsch sowie Maurermeister August Niedt genannt. Sechs Jahre später führt ein Einwohnerbuch darüber hinaus noch Maurer Johann Eulberg, Maurer Jakob Müller, die Kolonial- und Butterhandlung Peter Schmidt sowie den Butterhändler Wilhelm Wörsdörfer auf. Im Jahre 1931 umfasste das Erwerbsleben in Niedersayn Maurer Aloys Dörner, Maurer Johann Eulberg, Arbeiter Willi Geks auf der Karnhöfer Mühle, Lehrer Heinrich Eidt, Steinmetz Willi Henrich, Schuhmacher Peter Jung, Steinarbeiter Aloys Krimbel, Maurer Jakob Müller, Schankwirtschaft Maria Katharina Müller, Strohdecker Peter Niedt, Arbeiter Jakob Schäfer, Kolonialwarenhandlung Peter Schmidt, Arbeiter Wilhelm Schmidt, Tongräber Alois Sturm und Johann Sturm und Händler Wilhelm Wörsdörfer in Blaumhöfen, ansonsten ausschließlich Landwirte.

     

    Schule

    Im Pfarreisprengel Weidenhahn existierte relativ früh eine Kirchspielsschule. Entsprechende Lehrer werden 1657 und noch 1786 genannt. In den Dörfern haben sich daneben wohl im 18. Jahrhundert Winterschulen entwickelt. 1825 ist für Niedersayn eine eigene Schule belegt, für die 1827 ein neues Haus gekauft wurde. In den Jahren 1858/59 errichtete die Kommune ein neues Schulgebäude. Die Auflösung der Lehranstalt in Niedersayn erfolgte im April 1965. Seither besuchen die Kinder den Unterricht in Siershahn.

     

    Alte Vereine

    1926 wie 1931 trug der Männergesangverein Niedersayn unter Vorsitz von Aloys Sturm zur innergemeindlichen Kulturpflege bei. Emil Müller fungierte in diesen Jahren als Vorsitzender des Radfahrer-Vereins.

     

    Demographisches Material

    Eine frühe Einwohnerliste von 1653 nennt in Niedersayn: Georg Mueller, Thiell Mueller, Henrichs Georgh (= Georg Mandt 1654), Adam Plaum und Christ Mueller.


     Jahr Häuser Einwohner Familien
     1564 12  
     1650  6
      
     1684 15  
     1786  14523
     1787  140 
     1818  18139
     1850  234 
     1900  126 Katholiken
     
     1920  135 
     1926  135 
     1931  135 
     1939  139 
     1950  143 
     1968  160 



     
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    56244 Niedersayn

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    Fax:  (0 26 66) 91 14 79
    eMail: gueko@gueko.eu

    Beigeordneter:
    Kober-Golly Gernot

    Karnhöfer Straße 17
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