Bannberscheid

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Sitzung Gemeinderat am 18.02.2021


Im Rahmen der öffentlichen Sitzung, zu der Ortsbürgermeister Georg Holl 2 Gäste und eine Zuhörerin begrüßen konnte, erfolgten Beratungen und Beschlussfassungen zu folgenden Punkten:

 

1.  Beratung und Beschlussfassung des Forstwirtschaftsplans 2021

Zu diesem Tagesordnungspunkt konnte unser Revierförster Thomas Schmidt begrüßt werden, welcher die Eckpunkte des Forstwirtschaftsberichts 2021 vorstellte.

 

1) Borkenkäfersituation 2018 ff.:

Ausgehend von den Windwürfen im Januar 2018 ergaben sich verschiedene Probleme. Im Wesentlichen konnte das Schadholz nicht rasch genug aufgearbeitet werden, da die zur Verfügung stehenden Kapazitäten nicht ausreichten. Außerdem ergaben sich bei der Vermarktung Probleme, da die großen Holzmengen nicht alle unter Vertrag standen.

In der Folge verblieben größere Sturmholzmengen nicht aufgearbeitet im Wald; aufgearbeitetes und verkauftes Schadholz konnte nicht oder nur sehr schleppend abgefahren werden, da aufgrund der großen Schadholzmengen die Abfuhrkapazität nicht ausreichte, um das Holz rasch in die verarbeitende Industrie zu befördern.

So blieben große Mengen Fichtenholz im Wald, wo es durch Buchdrucker und Kupferstecher befallen wurde. Die sehr trockene und heiße Witterung begünstigte die Entwicklung.

Auch das warme und trockene Frühjahr 2019 begünstigte die massenhafte Vermehrung des Buchdruckers. Im Juni/Juli d. J. kam es zu einem weiteren extremen Befall der noch scheinbar gesunden Fichten.

In der Hochzeit der Aufarbeitung des Kalamitätsholzes wurden im Bereich des Forstamtes Neuhäusel wöchentlich etwa 19.000 FM Schadholz aufgearbeitet und gerückt.

Lag der planmäßige jährliche Hiebssatz bei der Baumart Fichte im Bereich des Forstamtes Neuhäusel bei etwa 40.000 bis 44.000 FM, so wurden im Jahr 2018 rd. 100.000 FM und im Jahr 2019 etwa 320.000 FM Schadholz aufgearbeitet und gerückt.

Im Jahr 2020 wurden im Forstamt Neuhäusel etwa 600.000 FM Fichte zwangsweise genutzt.

Damit wurden in 3 Jahren 1.000.000 FM aufgearbeiteten Holzes (dies waren 2/3 des gesamten Fichtenvorrates im Forstamt Neuhäusel) zwangsweise genutzt. In entlegenen Bereichen, abseits von Straßen und Wegen, blieben schwache Fichten stehen; die abgestorbenen Bäume verbleiben bis zum Zusammenbrechen in den Beständen, die nicht betreten werden.

Im FR Malberg entsprach der Fichteneinschlag 2018 mit 3.000 FM in etwa dem planmäßigen jährlichen Fichteneinschlag; im Jahr 2019 wurden ca. 17.000 FM Fichten zwangsgenutzt.

Bis zum Jahresende2020 wurden etwa 60.000 FM im FR Malberg aufgearbeitet.

Derzeit liegen die Erlöse beim Verkauf von Rundholz zwischen 38,- €/FM für Exportholz (etwa 50 % der Masse) und 4,- €/FM beim Industrieholz (etwa 25 % der Masse), ein weiteres Sortiment sägefähigen Holzes erbringt einen Erlös von etwa 26,- €/FM.

Die Kosten für Aufarbeitung und Rückung betragen zwischen 21,- €/FM und 24,- €/FM.

Für die zusätzlichen Kosten für die Aufarbeitung von Käferholz gewährt das Land einen Zuschuss in Höhe von 7,- €/FM.

 

2) Wiederbewaldung:

Für die Aufforstung der ehemaligen Käferflächen werden Zuschüsse gezahlt. Gefördert werden Mischkulturen mit einem Mindestlaubholzanteil von 30 %, Laubholzkulturen mit mindestens 2 verschiedenen Laubbaumarten

Allerdings gibt es Probleme mit der Pflanzenbeschaffung, da inzwischen riesige Flächen zur Wiederbewaldung anstehen. Glücklicherweise hat das Forstamt Neuhäusel mit 2 zuverlässigen Baumschulen Vertragspartner vor Ort, die uns vorrangig beliefern!

Klassische Kulturen mit hohen Stückzahlen sind derzeit kaum leistbar; die Kollegen versuchen durch Initialpflanzungen eine gewisse Struktur auf die Flächen zu bringen. Zwischen die künstlich eingebrachten Baumarten soll sich dann Naturverjüngung ansiedeln.

Bei den nährstoffreichen Standorten in der Ebene geht es darum, eine bodendeckende Mindestbestockung zu schaffen, die es ermöglichen soll, möglichst frühzeitig in die CO² Bindungsphase zu kommen.

Da der genaue Verlauf und die in den nächsten Jahren zu erwartenden Temperaturen nicht bekannt sind, geht es auch hinsichtlich der Auswahl geeigneter Baumarten darum, Zeit zu gewinnen, in der zumindest eine Art Vorwald, der den Boden abdeckt, vorhanden ist. Wir müssen Zeit gewinnen, um in den nächsten Jahren geeignete Baumarten auswählen zu können.

 

3) Auswirkungen auf die nächsten Jahre:

Da die Entwicklung der Klimaverschiebung nicht vorhersehbar ist, sind wir darauf angewiesen, neben den bislang etablierten Baumarten, die über die Baumschulen angeboten wurden, auch darauf zu bauen, dass im Zuge der natürlichen Verjüngung überlebensfähige Pflanzen freie Räume besiedeln.

Auch wenn die Kalamitätsflächen im Moment wüst aussehen, wird sich im Laufe der nächsten Jahre eine extrem schnell wachsende Vegetation einstellen. Die Bejagung des Schalenwildes wird extrem erschwert werden. Die Anlage von Schneisen für die Bejagung in Abstimmung zwischen Jägern, Ortsgemeinden und Forst ist unerlässlich.

 

Zahlenspiegel:

Einnahmen/Ertrag:                         28.949,- €      (davon der größte Anteil aus der Pacht für Ausgaben/Aufwand:                      21.479,- €      die Mobilfunkanlagen)

Saldo:                                                 7.470,- €

Abschließend zeigte unser Förster noch eine Reihe von Bildern aus dem Bannberscheider Markwald. Trotz der aufgrund der winterlichen Witterung „malerisch“ erscheinenden Aufnahmen ist unverkennbar wie stark der Wald in den letzten Jahren gelitten hat, aber auch wie weit bereits die Wiederaufforstung (zu erkennen an den vielen Holzpfählen) gediehen ist.

 



 

2.         Verabschiedung des Haushalts 2021

Nachdem der Haushaltsentwurf bereits in der Gemeinderatssitzung vom 17.12.2020 vorberaten worden war und die dabei festgelegten Änderungen eingearbeitet worden waren, konnte nunmehr die Beschlussfassung erfolgen.

Der Haushalt 2021 ist geprägt von Investitionskosten in Höhe von rd. 670.000.- €. Der weit überwiegende Anteil wird für den (bereits größtenteils vollzogenen) Grundstücksankauf für das Neubaugebiet „Am Heidchen“ benötigt. Weiterhin sind Anlaufbeträge für die Erschließung des Neubaugebietes sowie für den Rathausanbau vorgesehen.

Durch die hohen Ausgaben für Investitionen reduzieren sich die liquiden Mittel (Ersparnisse) der Ortsgemeinde von rd. 830.000 € auf rd. 530.000 €.

Auch in den kommenden Jahren sollen die Investitionen auf hohem Niveau beibehalten werden. Schwerpunkte werden hier die Erschließung des Neubaugebietes, der Rathausanbau und der Beginn der Sanierung der Aubachhalle sein. Daneben sollen aber auch Investitionen in andere Bereiche (Verkehrsberuhigung, alter Sportplatz, Grillhütte, Aufbau eines Bauhofs mit den zugehörigen Fahrzeugen und Geräten sowie Friedhof) nicht vernachlässigt werden.

 

3.         Auftragsvergabe Erneuerung Zaun und Hecke am Friedhof

In einem weiteren Tagesordnungspunkt stimmte der Gemeinderat der Erneuerung des Zauns am Friedhof (entlang der Straße) sowie der in Teilen abgängigen Hecke in diesem Bereich zu. Aufgrund des Verbotes von Rodungen von Hecken ab dem 1. März sollen diese Arbeiten kurzfristig noch im Februar ausgeführt werden.

 

4.         Neustrukturierung der Forstreviere in staatlicher Betreuung im Bereich des  Forstamts Neuhäusel

Abschließend stimmte der Gemeinderat der Neustrukturierung der Forstreviere in staatlicher Betreuung im Bereich des Forstamtes Neuhäusel zu. Hierzu stand der Forstamtsleiter, Herr Friedbert Ritter, den Gemeinderatsmitgliedern Rede und Antwort.

Insbesondere der Umstand, dass diese Reform in für den Forst schwierigen Zeiten (aufgrund der Anforderungen durch den Klimawandel und den Borkenkäferbefall) für die jeweiligen Revierförster eine stärkere Arbeitsverdichtung mit den daraus resultierenden negativen Folgen bewirkt, führte bei den Ratsmitgliedern zu teils erheblichen Bedenken.

Letztlich stimmte der Gemeinderat zwar mit der knappest möglichen Mehrheit der Reform zu; allerdings insbesondere nur deshalb, weil eine Ablehnung lediglich zu einer Verzögerung des Verfahrens geführt hätte und das fehlende Einvernehmen durch Entscheidung der oberen Forstbehörde ersetzt worden wäre.