Wappenerläuterung
Die Gemeinde Moschheim wird 1362 als "Musscheim" erstmals urkundlich erwähnt. In einem Zehntverzeichnis des Stiftes St. Florin in Koblenz taucht ein "Joeden von Muscheim" auf.
Der zur Gemarkung gehörige Wald
Malberg trägt Anzeichen einer relativ frühen, vorchristlichen
Besiedlung, denn er war in der späten Eisenzeit mit einem Ringwall
befestigt. Dieser wurde vielleicht infolge germanisch-römischer
Auseinandersetzungen von den Römern erobert und zerstört. Als mögliche
Zeitpunkte der Zerstörung wurden 13/12 v. Chr. und um 9 n. Chr.
angegeben. In Moschheim ermittelte man ebenfalls Scherbenfunde aus
vorgeschichtlicher Zeit. Der Ortsname, dessen -heim-Endung nicht immer
klar zu erkennen war - 1385 Muoscheym, 1386 Musscheim, Moschem, Muschem, 1460 Moschem, 1461, Moeschen - bedarf noch einer genauen onomastischen Deutung.
Sturmfels geht davon aus, dass Moschheim mit "Wohnsitz des Musco/Musch" zu übersetzen ist.
Die -heim-Orte sind bis zum 6. Jahrhundert entstanden. Besonders
hervorzuheben ist, dass Moschheim sowie Bladernheim zum alten
fränkischen Reichsgut um Montabaur zu rechnen sind.
Diese Krongüter der deutschen Könige stammten aus dem Hausgut
erloschener Dynastien, dem Heimfall von Lehen aus Kauf usw.. Das im
Reich weit verstreute Reichsgut, vor altem im Westen und Südwesten
gelegen, war bis zu seinem Zerfall am Ende der Stauferzeit (1250) vom
Hausgut der regierenden Herrscher nicht scharf geschieden. Die goldene
Krone weist auf die besondere Zugehörigkeit der Gemarkung zum alten
Reichsgut hin.
Der zwischen Moschheim und Ötzingen gelegene Wald Malberg (422 m) wird bereits 1592 urkundlich erwähnt.
Er galt öfters als Anlass für Gebietsstreitigkeiten, beispielsweise
zwischen den Gemeinden Leuterod und Moschheim 1688. Eine der deshalb
notwendigen exemplarischen Grenzbegehungen des Waldes, die recht
ausführlich dokumentiert ist, fand am 10. November 1741 statt.
Der Malberg, häufig bei Leuterod genannt, war 1719 für zehn Jahre an die
Gemeinde Moschheim verpachtet worden. Er führte in den Archivalien
häufig den Namen eines Fürstlichen Cameral-Waldes. Der Malberg wurde hernach Domanialwald, an den die Gemeindewaldungen von Ötzingen, Leuterod und Moschheim grenzten.
Eine Sage erzählt von den Wildweibern des Malberges, eine Erzählung von
hilfreichen Geistern, die den notleidenden Moschheimern beistanden.
Der Bergkegel enthält umfangreichere Phonolithvorkommen, die zur
Glasherstellung dienten. Eine Übersicht des Jahres 1901 erwähnt so
beispielsweise die Unternehmen A. Hübner und Fabrik Wirges, die in
Moschheim einen Phonolithsteinbruch betrieben. 1926 wurde ein Steinbruch
auf dem Malberg von der Glasfabrik Wirges AG betrieben. Mit der Ausbeute wurde die Glasindustrie in Wirges versorgt.
Auf dem Gipfelplateau befinden sich mächtige Felsblöcke, deren bizarre
Formen geologisch von Interesse sind. Will man der Überlieferung Glauben
schenken, so galt der Malberg in fränkischer Zeit als Thing- und
Richtstätte. Eine Namensdeutung stützt diese Annahme, Gensicke schließt ein ehemaliges Grafengericht auf dem Malberg überdies nicht aus.
Am sog. "Helje Brunn", an dem sich ein Heiligenstock befindet,
errichtete man 1892 eine Kapelle, die seit dem Ende des Zweiten
Weltkrieges das Ziel einer Dankeswallfahrt am Himmelfahrtstage ist.
Der Malberg wird im Wappen durch den Bogenschildfuß symbolisiert.
Territorialhistorisch lag das Gebiet der heutigen Gemeinde Moschheim im
Engersgau. Kirchlich gehörte der Ort schon seit dem Mittelalter zu der
im ausgedehnten Sprengel der Urpfarrei Montabaur gegründeten Pfarrkirche
zu Wirges. Ab 1450 ist Moschheim als zum Gericht Montabaur, seit Ende
des 17. Jh. im Sprachgebrauch zum Bann Wirges gehörig, bezeugt. Moschheim, Bannberscheid, Staudt, Ötzingen und Boden bildeten um 1488 die "grusze Zyche", die
nochmals unterteilt war, wobei Moschheim, Bannberscheid und Boden 1653
sowie 1684 bis 1803 zu einem gemeinsamen Bezirk gehörten. Überdies war
Moschheim von Anfang an dem Kurfürstentum Trier zugeordnet. Bereits 1018
konnte das Bistum sein Territorium durch weitere Gebietserwerbungen an
der mittleren Mosel und im Westerwald vergrößern. In diesem Zusammenhang
war die Schenkung Kaiser Heinrichs von Stadt und Königshof Koblenz mit
allem Zubehör und der Abtei St. Florin von Bedeutung. Mit dem erworbenen
Koblenzer St. Florinstift kam auch das Obereigentum über dessen Besitz
um Montabaur ans Erzstift Trier.
In der Auseinandersetzung um die Spitzenstellung im deutschen Episkopat
traten die Erzbischöfe von Trier zwar hinter Mainz und Köln zurück,
fanden aber Aufnahme in das Kurfürstenkollegium und erhielten 1308/14
die Würde eines Erzkanzlers von Burgund.
Eigentlicher Schöpfer des Kurfürstentums Trier war Erzbischof Baldewin von Luxemburg 1307 - 1354.
Die Einführung der Reformation scheiterte, die Protestanten wurden 1559
vertrieben. 1801 ging der linksrheinische Hauptteil des Erzstiftes an
Frankreich verloren. Die rechtsrheinischen Gebiete kamen am 21.10.1802
an die Fürsten von Nassau.
Der Reichsdeputationshauptschluss bestätigte die territorialen
Veränderungen, von denen in dieser Region insbesondere die Nassauer
profitierten. Im Rahmen der Rheinbundakte rechnete Moschheim 1806 zum
neugebildeten Herzogtum Nassau. Das Gebiet ging infolge des
Deutschen Krieges in preußische Verwaltung über. Die 1867 durchgeführte
Verwaltungs- und Gebietsreform teilte Moschheim dem neugeschaffenen
Unterwesterwaldkreis mit dem Sitz Montabaur zu.
Das rote Kreuz in Silber weist auf die jahrhundertlange Zugehörigkeit
zum Erzbistum Trier hin. Die blaue Tinktur erinnert daran, dass
Moschheim bis 1866 zum Herzogtum Nassau rechnete, dessen Wappen einen
Löwen im blauen Schild aufwies.
Seinen Bekanntheitsgrad verdankt Moschheim unzweifelhaft der Lage an der
Kannenbäckerstraße und den reichen Tonvorkommen der Gemarkung. Der
Tonkrug in verwechselten Farben trägt der Bedeutsamkeit des Tonbergbaus
und der Tonverarbeitung in der Gemeinde Rechnung. Daneben wurden ebenso
Phonolith sowie Basalt gewonnen. Um 1750 waren bei Moschheim Hausteinbrüche in Betrieb.
Nach einem Bericht des Jahres 1807 wurde in Wirges schon Tonerde für
einen Herrn Fürth in Köln gegraben, welcher die Ansicht vertrat, dass
etwaige Nachforschungen auch in Moschheim erfolgreich sein müssten.
Nach den beim Amtsgericht Montabaur bzw. Wallmerod geführten Grundbüchern sind folgende Gruben der Gemarkung Moschheim bekannt:
- Tonerdezeche "Bohnenbitz": Belehnungsurkunde vom 29.06.1860, Verleihungsurkunden vom 16.08.1854 und 07.11.1856
- Tonerdezeche "Petschmorgen": am 01.08.1863 belehnt, am 12.08.1863 in das Berggegenbuch eingetragen
- Tonerdezeche "Struth": am 16.07.1866 belehnt, am 23.08.1866 in das Berggegenbuch eingetragen
- Tongrube "Bertha": Verleihungsurkunde vom 06.02.1867
- Tonerdezeche "Feldchen": am 15.03.1867 belehnt, am 26.04.1867 in das Berggegenbuch eingetragen
- Tonerdezeche "Straubinger": am 15.03.1867 belehnt, am 26.04.1867 in das Berggegenbuch eingetragen
Die Fuchs'schen Tongruben K.G., Ransbach/Westerwald erhielten im Laufe
dieses Jahrhunderts bei einigen dieser Betriebe das Niesnutzungsrecht
und betrieben in Moschheim die Gruben "Straubinger" (Förderung von feuerfesten und keramischen Tonen) sowie die Tongruben "Feldchen" und "Struth".
1901 waren in Moschheim die Nassauischen Thonwerke tätig.
Im Jahre 1926 befanden sich die tonfördernden Unternehmen im Besitz der
Fuchs'schen Tonbetriebe Ransbach sowie des Alois Josef Müller, Siershahn.
Eine Statistik nennt für die Jahre 1936, 1949 und 1961 drei
tonfördernde Betriebe. Die Anzahl der Beschäftigten stieg von 37 auf 56
Personen, die Fördermenge von 24.954 t auf 70.052 t.
Das Abbaugebiet gehört zu dem südöstlich des Malbergs gelegenen sog. Moschheimer Becken, in
dem heute ein bedeutender Abbau im Tagebau erfolgt. Die Tone worden
nach den Höhen zu von Basalt überlagert, der Abraum enthält
Basaltwürflinge und Krotzen, welche die Abraumbeseitigung sehr
erschweren. Das Tonlager wird mit 9 m bis 25 m nutzbare Stärke angegeben
und gliedert sich in ca. zehn verschiedene Tonsorten.
Das Wappen der Ortsgemeinde Moschheim ist somit territorialgeschichtlich, topographisch und wirtschaftshistorisch begründet.